Narzissmus und Zeiterleben

Das Altern wirft bei allen Menschen narzisstische Themen auf. Die Gefahr vielfacher narzisstischer Kränkungen ist beim älter werdenden Menschen besonders hoch. Der englische Ausdruck für Kränkung, „mortification“, unterstreicht deren tödliche Potenz (Teising, 2006).

In der klinischen Arbeit zeigt uns der Patient auf unterschiedlichste Weise die Ausprägungen seiner narzisstischen Konflikte. Unter dem Druck der nicht mehr zu verleugnenden schwindenden Zeit kommt es im Alter zu einer Radikalisierung der menschlichen Grundsituation. Die Zuspitzung des Widerspruchs zwischen Entwicklung und Altern, zwischen Leben und Tod und auch zwischen Ideal und Realität zwingt sich auf und spielt sich auf einem zeitlichen Kontinuum ab. Die Zukunft schmilzt allmählich dahin und das eigene Ende rückt näher und dadurch wirkt die existenzielle Situation stärker auf den Menschen ein (Peters, 2006).

Endlichkeit und Tod, deren Bedeutung für Psychodynamik und Psychogenese psychischer Störungen oft vernachlässigt wird, drängen sich immer mehr als entscheidender Faktor auf, oder wie Lifton formuliert, die Angst vor dem Tod wirkt hinter, zwischen und in allem (Lifton 1986, in Peters 2006).

Sodass man sagen könnte, das Alter bedeutet eine Radikalisierung der Zeitlichkeit und der Konflikthaftigkeit und die Konflikthaftigkeit ist teilweise selbst Ausdruck der Verzeitlichung im Alter.