Innere Phantasie und körperliche Realität

 

Das eigene Altern wird vor allem an körperlichen Veränderungen wahrgenommen. Das Wohlbefinden hängt wesentlich vom Zustand des Körpers ab. Der Körper wird zunehmend zum Organisator der Psyche und der Entwicklungsprozesse.

Freud hat stets betont, dass das Ich wesentlich ein Körper-Ich ist. Jedes seelische Geschehen ist auch ein körperliches, wie auch umgekehrt. Körper und Seele sind unauflöslich miteinander verbunden. Das Alter mit seinen einschneidenden körperlichen Veränderungen beeinflusst somit auch unser Ich.

Das Selbst jedoch wehrt sich häufig gegen das Anerkennen des alternden Körpers. Es kommt zu einer Differenz zwischen der psychischen Realität - den inneren Phantasien und der körperlichen Realität. Nach und nach, wenn die Diskrepanz zwischen Körper-Selbst und realem Körper nicht mehr zu verleugnen ist, kann es zu schweren Konflikten kommen.

Im extremen Fall kommt es überhaupt zur Abspaltung des kranken Körpers vom Selbst. Bei drohender Konfrontation mit Abhängigkeit werden regressive narzisstische Abwehrmechanismen angewandt. Narzisstische Phantasien ermöglichen es, ein Gefühl von Kontrolle über die Situation zurückzugewinnen.