Leisure Sickness … endlich wieder Alltag

Der Sommer geht zu Ende und man tauscht sich aus und postet auf FB- und ja, natürlich werden vor allem die netten Sachen geteilt. Aber nicht jeder freut sich über; Na, wir war denn dein Urlaub?, Was hast du gemacht?, Warst du weg?

Nicht wenige Menschen werden gerade dann, wenn sie sich entspannen und genießen könnten, krank. Sie leiden unter Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Übelkeit, Schwindelzuständen, Erkältungen oder sonstigen Missempfindungen, gerade dann, wenn sie Raum und Zeit zur freien Verfügung haben. Für Einige stellt der Urlaub oder das Wochenende sogar eine Bedrohung dar. Sie fürchten sich, weil Sie bereits im Vorfeld wissen, dass es Ihnen nicht gut gehen wird. 

Was ist das für ein Phänomen? Wie immer, ein vielschichtiges. Wir wissen, dass Menschen die im Hinblick auf Ihre Arbeit besonders pflichtbewusst sind und unter großem inneren und/oder äußerem Druck stehen besonders anfällig sind für Zusammenbrüche, wenn sie mal loslassen. Im Arbeitsalltag werden oft körperliche bzw. psychische Bedürfnisse unterdrückt oder aus anderen Gründen nicht wahrgenommen und der Körper passt sich ein Stück weit an den Lebensumständen an. Bei Dauerstress jedoch, wird mehr Energie gebraucht als zugeführt und der Körper beginnt darauf zu regieren; der Blutdruck steigt, der Ruhepuls ist hoch, die Verdauung rebelliert, der Schlaf ist gestört usw. Im Grunde handelt es sich dann um einen Erschöpfungszustand den man eine Zeit lang „erfolgreich“ unterdrückt- ähnlich wie beim vielfach untersuchten und thematisierten sogenannten Burn-Out-Syndrom.    

Bei Anderen hat die Schwierigkeit, die gewonnene Zeit für sich zu nützen, weniger mit der Arbeitssituation zu tun. Vielleicht sind sie alleine, wären aber z.B. lieber in einer Beziehung oder überhaupt woanders im Leben und im Urlaub kann man sich besonders einsam fühlen. Nicht jeder tut sich leicht beim Alleinegestalten und weißt mit sich und seinen Ressourcen etwas anzufangen. Es kommt zur Passivität oder zu ausweichendem Verhalten. Auch hier können die Folgen körperliche Beschwerden sein, einerseits um sich der unangenehmen Situation nicht stellen zu müssen, also eher als Abwehrreaktion. Andererseits kann die Erkrankung als einen mehr direkten Ausdruck eines seelischen Leides verstanden werden. Die Depression oder die Ängste werden über den Körper ausgedrückt, der seelische Zustand wird somatisiert.

Was aber hier auch noch oft eine Rolle spielt, jedoch viel weniger beachtet wird, ist die Bedeutung des Verlusts der halt- und orientierungsgebende Funktion des Alltags. Plötzlich fehlt die Tagesstruktur und man muss sich selbst eine Struktur schaffen oder einen Plan machen. Hierbei geht es nicht nur um die Leere die dabei verstärkt empfunden werden kann, wie bei der depressiver Verstimmtheit, sondern vielmehr um eine Art inneren Zerfall. Der Betroffene verliert eben Halt und Orientierung, dreht sich irgendwie im Kreis oder versucht möglicherweise aus der Situation zu flüchten, vielleicht in eine Art Erkrankung - wodurch es dann wieder zur Zuwendung und zu einem Gefühl vom Gehaltenwerden kommen kann. Bei anderen wiederum könnte es sein, dass ein Suchtverhalten deutlich wird. In beiden Fällen geht es darum, das nicht zu empfinden was wirklich ist oder worum es eigentlich geht und vor allem das was wirklich weh tut oder Angst macht. Aber unabhängig davon warum jemand, wenn er gerade Zeit hätte, sich etwas Gutes zu tun, körperlich oder psychisch eher leidet - es würde sich höchstwahrscheinlich lohnen, sich sein Leben etwas genauer unter die Lupe zu nehmen - außer, es soll so bleiben wie es es ist.